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23. November 2009

Musik bei der man sich fallen lässt

Bericht und Foto: Michael Gottstein
Die nicht sehr häufige Gelegenheit, fernöstliche Musik in Bad Säckingen zu hören, nutzten am Freitagabend etwa zwei Dutzend Zuhörer, als Toshi Miyoshi auf Einladung der Deutsch-Japanischen Gesellschaft - Freundeskreis Nagai-Bad Säckingen im Trompeterschloss auftrat.

Der Künstler kommt aus Osaka und lebt seit zehn Jahren in der Schweiz. Zuvor hatte er zehn Jahre lang als Straßenmusiker mehr als 40 Länder bereist und sich mit deren musikalischen Traditionen auseinandergesetzt. Der in japanischem Gewand auftretende Musiker und Sänger spielte neben traditionellen Werken auch Eigenkompositionen und Bearbeitungen.

"Es ist eine Musik, um sich fallen zu lassen", beschrieb der Vorsitzende der Deutsch-Japanischen Gesellschaft, Daniel Marterer, eine Eigenart fernöstlicher Musik. Dieser meditative Zug kam vor allem bei den Werken für die Shakuhachi, eine japanische Flöte mit etwas herbem, farbenreichem Klang zur Geltung: Sie wurde zur Edo-Zeit nur von Mönchen gespielt, und ihr Gebrauch war erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts für jedermann "erlaubt".

Ruhig, wie zur inneren Sammlung einladend, wirkten die traditionell japanischen Shakuhachi-Werke, etwas melodischer und klangsinnlicher die Eigenkomposition "Syutsujin". Gelegentlich spielte Toshi Miyoshi vom Band eine Begleitmusik ein, wobei er sämtliche Instrumente selbst gespielt hatte.

Die aus dem siebten Jahrhundert stammende chinesische Geige - dort wird sie "Erhu" genannt, in Japan spricht man das gleiche Schriftzeichen "Niko" aus - zeichnet sich durch einen eigenwilligen, schwebenden, von starkem Vibrato geprägten Klang aus. "Saika" und ein Werk mit dem Titel "I want to be a swallow" repräsentierten die traditionelle Musikkultur Chinas, während Toshi Miyoshi mit der Bearbeitung des keltisch-irischen Liedes "By gone days" zeigte, dass auch asiatische Instrumente gut zum Charakter europäischer Musik passen.

Die Shamisen ist ein dreisaitiges japanisches Zupfinstrument mit langem Hals und relativ kleinem Schallkörper. Auch weil es mit einem Plektrum angeschlagen wird, klingt es härter als europäische Gitarren.

Dass japanische Musik nicht nur kontemplativ wirkt, führte Toshi Miyosho in seiner kraftvoll gespielten Eigenkomposition "Tsugaru jongarabusi" vor, die rhythmisch markant und mit ihren Wiederholungsfiguren sehr expressiv wirkt. Auch wenn man den Text seines selbst geschriebenen Liedes namens "Pororon" nicht verstand, konnte man dessen melodische Schönheit genießen. Mit zwei Zugaben belohnte das Multitalent den Beifall der faszinierten Zuhörer.

Badische ZeitungArtikel auf www.badische-zeitung.de