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02. Mai 2021

Fragen des Japanischen Generalkonsulats München zur Städtepartnerschaft mit Nagai

Unterschrift
2. von links Christian Heinemann, 3. von rechts Shin Saito Rathaus Nagai Städtepartnerschaften
Foto Regine Haußmann
Unser Mitglied Christian Heinemann, Persönlicher Referent des Bürgermeisters Alexander Guhl von Bad Säckingen hat folgende Fragen beantwortet:

- Wann ist diese Städtepartnerschaft entstanden? Wie lange gibt es sie schon?

Nagai und Bad Säckingen sind ihre Partnerschaft im Jahr 1983 eingegangen.

- Wie ist es zur Partnerschaft gekommen?

Die Initiative ging seinerzeit von Nagai aus. Der damalige 2. Vorsitzende des Badischen Sport-bundes, Herr Fritz Gisy, weilte im Spätherbst 1979 privat in Japan und wurde gebeten, in Säckingen wegen der Möglichkeit einer Verschwisterung von Nagai und Bad Säckingen anzufragen. Treibende Kraft war wohl der Nagaier Zahnarzt Dr. Hiroshi Akama, Vorsitzender des dortigen Ski-Clubs, der die Trompeterstadt schon kannte. 3 Jahre zuvor hatte Herr Gisy Nagai mit einer Gruppe der Sportjugend Besuch. Bei diesem Aufenthalt war eine junge Sportlerin aus dem Nachbarort Murg zu Gast im Hause Akama, was das Interesse des Zahnarztes an einer Kontaktaufnahme befeuert haben könnte. Auf japanischer Seite war man damals nicht unbedingt an kostspieligen Reisen hin und her, sondern eher an einem brieflichen Austausch zwischen Bürgern beider Städte interessiert, was aber gegenseitige Besuche nicht ausschließen sollte.

Der damalige Bürgermeister Dr. Günther Nufer bekundete zu Beginn des Jahres 1980 sein starkes Interesse an einer Partnerschaft. Dies insbesondere im Hinblick auf mögliche Auswirkungen im Bereich des Kur- und Fremdenverkehrsgeschehens.

Eine erste vertiefende Kontaktaufnahme erfolgte im Januar 1981 beim Besuch einer offiziellen japanischen Delegation unter Leitung von Dr. Hiroshi Akama. Bei dieser Gelegenheit wurde ein vorläufiges Programm für den Aufbau partnerschaftlicher Beziehungen erarbeitet. Der offizielle Gegenbesuch zum Irisfest in Nagai erfolgte bereits im Juli 1982. Danach war sicher: Bad Säckingen und Nagai waren zur Aufnahme freundschaftlicher Beziehungen bereit, wobei die Partnerschaft keine Einrichtung für Offizielle werden sollte. In der Folge wurde die Partnerschaft im Jahr 1983 besiegelt und die Deutsch-Japanische Gesellschaft Freundeskreis Nagai e.V. ins Leben gerufen, die sich bis heute um die Kontakte auf Bürgerebene kümmert.

- Hatte Bad Säckingen und Nagai schon davor einen Bezug zueinander?

Nein.

- Welche Austausche und Aktivitäten haben die Beziehung bis heute gestärkt?

Es gab – in größeren zeitlichen Abständen - den gegenseitigen Besuch von Delegationen, wobei der Deutsch-Japanischen Gesellschaft eine tragende Rolle zukam. Es kam aber auch zum Austausch junger Bürgerinnen und Bürger. Auch hier war der Freundeskreis federführend. Darüber hinaus wurden wechselseitig und einer gewissen Regelmäßigkeit Partnerschaftsjubiläen mit Erneuerung des Partnerschaftsversprechens gefeiert.

- Welche positiven Auswirkungen hat es, wenn relativ kleine Städte eine Partnerschaft eingehen?

Grundsätzlich ist der Gedanke des Austauschs für kleine Städte kein anderer wie für große, auch wenn Großstädte im Ausland natürlich eher eine gewisse Bekanntheit erlangen können. Insofern entsteht über die Partnerschaft eher ländlich geprägter Kleinstädte ein Draht zu einer Kommune oder Region, die im anderen Land sonst vermutlich weitgehend unbekannt wäre. Durch diese konkreten partnerschaftlichen Kontakte mit Personen aus der anderen Kommune erhält ein weit entferntes, „fremdes“ Land ein menschliches Gesicht, was das wechselseitige Verständnis für andere Kulturen und Mentalitäten fördert. Strukturell vergleichbare Partnerstädte können vermutlich am ehesten einen Austausch „auf Augenhöhe“ realisieren, was auch die Basis für eine gewisse wechselseitige Identifikation schafft.

- Wie möchten Sie die Partnerschaft in Zukunft weiterentwickeln?

Zunächst hoffen wir natürlich, in einiger Zeit nach Überwindung der aktuellen Krise wieder zu einer Normalität des persönlichen Austausches, inklusive der damit verbundenen Reisen, zurückkehren zu können. Aus unserer Sicht wären in längerfristiger Perspektive Projekte spannend, bei denen ein Austausch über Ideen und Lösungen zu Herausforderungen und Problemen entsteht, denen Städte weltweit und in Deutschland ebenso wie in Japan gegenüberstehen. Hier könnte man viel mehr als bislang voneinander lernen. Konkret könnten wir uns das sehr gut bei den Themen Energiewende und Klimaschutz vorstellen. Das sind zwar globale Aufgaben, die aber nur bewältigt werden können, wenn auch im Kleinen auf der unteren staatlichen Ebene dezentral kreative Lösungen gefunden werden. Dabei kann man sich sowohl direkt Anregungen aus der Praxis der anderen Stadt holen, als auch versuchen, den Blick auf die eigene Stadt durch die Brille der anderen nutzbar zu machen.
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