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07. Juli 2015

Wie eine Reise nach Japan

Peter Haußmann, Hidenao Yanagi, Tokiko Kiyota und Akira Yosano (von links) eröffneten die Ausstellung zum japanischen Weltkulturerbe. Foto: Michael Gottstein

In der Villa Berberich eröffnet sind 60 Aufnahmen des Meisterfotografen Miyoshi Kazuyoshi sind zu

BADISCHE ZEITUNG und SÜDKURIER
Montag, 6. Juli 2015
Michael Gottstein

BAD SÄCKINGEN. Den besten Eindruck von Kulturdenkmälern gewinnt man, wenn man sie vor Ort besichtigt. Wer aber die Reise nach Japan nicht antreten kann, den erwartet in der Villa Berberich eine Ausstellung über das Weltkulturerbe des fern-östlichen Landes. Zu sehen sind etwa 60 Aufnahmen des Meisterfotografen Miyoshi Kazuyoshi, die seit 2004 auf allen Kontinenten gezeigt wurden.

Organisiert wurde die Präsentation von der Deutsch-Japanischen Gesellschaft – Freundeskreis Nagai-Bad Säckingen in Zusammenarbeit mit dem japanischen Kulturinstitut, dem die Exponate gehören. Die Bedeutung, die diesem Ereignis beigemessen wird, zeigte sich auch darin, dass Bürgermeister Alexander Guhl und der Präsident der Gesellschaft, Peter Haußmann, bei der Vernissage am Freitagabend drei von weit her angereiste Gäste begrüßen konnten: Den japanischen Generalkonsul aus München, Hidenao Yanagi, Vizekonsul Akira Yosano und die Direktorin des japanischen Kulturinstituts in Köln, Tokiko Kiyota.

Wie der Konsul darlegte, verfügt Japan über 14 Weltkultur- und vier Weltnaturerbestätten, zusätzlich gibt es 22 Einträge, die sich auf das materielle Kulturerbe (etwa die Koch- und Handwerkskunst) beziehen. Er hoffe, dass die Präsentation zum Verständnis der japanischen Kultur beitragen und zum Besuch des Landes ermutigen möge. Schließlich kämen pro Jahr 700 000 Japaner nach Deutschland, während nur 140 000 deutsche Touristen nach Japan reisten. Tokiko Kiyota gab einen Überblick über das Kulturerbe Japans: Dazu zählen herausragende Einzelbauwerke, aber auch ganze Ensembles wie historische Dörfer oder archäologische Stätten und auch der "Atombombendom" in Hiroshima. Ältestes Holzgebäude der Welt steht in Japan Besonders hob sie die Anfang des 17. Jahrhunderts in ihrer jetzigen Form vollendete "Weiße Burg von Himeji" hervor, die mit ihrem fünfstöckigen großen Turm und den flankierenden Wachtürmen zu den schönsten Baudenkmälern des Landes zählt. Von herausragender Bedeutung ist auch der Horyuji-Tempel von Nara, dessen erster Bau kurz nach 600 errichtet wurde und dessen Haupthalle das älteste Holzgebäude der Welt ist. An der gesamten Tempelanlage lässt sich aufgrund der langen Entstehungsgeschichte die Entwicklung der buddhistischen Architektur Japans ablesen. "Ich hoffe, wir können Ihnen einen lebendigen Eindruck von der Vielfalt und Schönheit Japans vermitteln", sagte die Direktorin und dankte der Gesellschaft, mit der das Institut bereits mehrere erfolgreiche Ausstellungen veranstaltet hatte.

Man täte Miyoshi Kazuyoshi Unrecht, wenn man die Ausstellung nur als eine Dokumentation ansähe, denn der Kunstcharakter seiner Fotografien ist genauso ausgeprägt wie ihr Abbildungscharakter. Die Bauwerke sind in eine wunderschöne Naturkulisse eingebettet und in ein stimmungsvolles Licht getaucht. Manchmal konzentriert sich der Meisterfotograf auf wenige, aber wichtige Details, und er beherrscht (wie beim Steinbassin des Ryoanji-Tempels) die Kunst des Weglassens.

Margot Kawinski bereicherte die Präsentation mit einem Ikebana-Gesteck und Florian Fries mit drei Saxofon-Vorträgen. Gestern hielt Peter Haußmann einen Vortrag über den traditionellen Hausbau in Japan. Am Sonntag, 12. Juli, 15 Uhr, stellt Yoshiko Ono buddhistische Schulen und ihre Merkmale vor, eine Woche später, wieder um 15 Uhr, referiert Elke Hundt über die Natur in Japan.

Die Ausstellung ist bis zum 19. Juli geöffnet, und zwar mittwochs, donnerstags, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr